Kompositionen können Momentaufnahmen des Lebens sein, sagt Christoph Wigelbeyer, als die junge, österreichische Komponistin Anna Schnabl die Probe der Neuen Wiener Stimmen besucht. An diesem Tag wird ihr Stück „Better alone“ geprobt, das von Trennungen und Liebeskummer handelt. Sie erzählt uns, in welchem Moment ihres Lebens es entstanden ist und wir verstehen. Die Spannung in der Probe steigt, denn wir wollen ihrer Idee gerecht werden und das Stück bestmöglich interpretieren. Dieses Gefühl wiederholt sich während der Probenzeit oft, denn viele Komponist*innen besuchen uns, erzählen von ihren Stücken und hören uns zu. Wir merken, dass Kompositionen nicht nur eigenständige Werke unnahbarer Künstler sind, sondern auch die Ideen, Gedanken und Gefühle von Menschen in unserem Umfeld abbilden können. Unser aktuelles Semesterprogramm (A)live! ist also lebendiger denn je, eine Momentaufnahme österreichischer Chormusik.

(A)live! = Österreich

Als gedachte Fortsetzung des Programms Österreich: Große Töchter, große Söhne, zeigt das Projekt (A)live! einen Querschnitt durch die zeitgenössische, österreichische Chormusik. Musik von Komponist*innen und Arrangeur*innen, die in Österreich leben, bilden das Hauptaugenmerk, während von politisch bis persönlich, ernst bis populär, sakral bis weltlich alles dabei ist. Bekannte, arrivierte Komponist*innen sind genauso zu hören, wie frische, neue Stimmen. Der Titel (A)live! ist also Programm. Einerseits erinnert das große „A“ an das Qualitätszeichen „Made in Austria“ und andererseits schwingt in „live“ die Lebendigkeit der österreichischen Chormusikszene mit.

(A)live! = musikalische Begegnungen

Jürgen Partaj, der gemeinsam mit Christoph Wigelbeyer den Chor leitet, beschreibt die Neugier und Offenheit der NWS als treibende Kraft hinter dem Programm. „Für (A)live! haben wir haben uns wieder auf ganz neue Begegnungen eingelassen, weil wir auch etwas Neues dazulernen möchten. Der Austausch mit Komponist*innen ist für uns eine große Bereicherung und gleichzeitig wollen wir auch etwas für die Szene tun.“ So entstanden für (A)live! unter anderem Auftragskompositionen und -arrangements, wie zum Beispiel das Stück „Des Schönen Ewigkeit“ von Helmut Simmer, der unter anderem Stimmbildner bei den NWS ist. Rita Peterl hat „Der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros für uns arrangiert und Helmut Schmidingers Stück „Neue Stimmen in der Stadt“, das zur Gründung des Chores vor neun Jahren geschrieben wurde, findet nun endlich seine Aufführung bei den NWS.

(A)live! = Vielfältigkeit

(A)live! bildet über die Grenzen der Musik hinweg auch andere, vielfältige Aspekte Österreichs ab. Sprachlichkeit und Dialekt spielen eine wichtige Rolle, aber auch österreichische Literatur, wie in den von Ivan Eröd vertonten Stanzen Ernst Jandls. Außerdem besingen wir das Schicksal des lieben Augustins in einer Version von Günther Mohaupt und freuen uns an den Klängen von “Ave Maria” (Komp.: Alejandro del Valle-Lattanzio), sowie “Magnificat” (Komp.: Wolfram Wagner). Vusa Mkhaya, der schon seit einigen Jahren in Österreich lebt, brachte uns ein Lied aus seiner Heimat Zimbabwe bei. Das „(A)live!“-Medley schließlich, arrangiert von dem ehemaligen NWS-Sänger Sebastian Taschner, fasst zeitgenössischen Austropop von den Spritbuam bis zu Bilderbuch zusammen. Somit bietet (A)live! auch eine Plattform für junge Künstler*innen und bringt einige Uraufführungen auf die Bühne.

(A)live! = neue Perspektiven

Jürgen Partaj hofft, dass (A)live! neue Perspektiven eröffnet, sowohl bei den Sänger*innen, als auch beim Publikum. „Es ist die Aufgabe der Neuen Wiener Stimmen, einen Grenzübertritt zu wagen, stilistisch und musikalisch. Bei 80 bis 90 Sänger*innen sind die Geschmäcker sehr unterschiedlich. Aber was auf den ersten Ton vielleicht unsingbar klingt, wächst gemeinsam und bleibt letztlich länger in Erinnerung.“ Auch für das Publikum ist (A)live! eine Möglichkeit des Kennenlernens. „Letztendlich geht es darum, choraffine Menschen mit neuen Arrangements zu packen und auch weniger choraffine Menschen mit einem Wolfgang Ambros ins Boot zu holen, um ihnen zu zeigen, wie vielfältig die zeitgenössische, österreichische Chormusik ist.“

(A)live! bleibt also spannend, rezent und vielfältig. Als würde Österreich einen Moment in die Kamera schauen – „Cheese“ –  und ein Schnappschuss ist entstanden.
Konzerttermine für (A)live! sind am 28.4.2019 in Meierhof in Pöttsching, Burgenland, am 3.5.2019 im Wiener Konzerthaus und am 17.5.2019 in der Stephanskirche in Horn, Niederösterreich.

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